IMPORTAMPHOREN
VOM MONTE IATO (PA), SIZILIEN
Marek
Palaczyk
Monte Iato, ein
einheimischer Siedlungsplatz im Hinterland von Palermo, wurde im Verlaufe
des 6. Jhs. v. Chr. hellenisiert und nahm seit dieser Zeit mehr und
mehr griechische Züge an. Die Hellenisierung äusserte sich
nicht nur im Bau eines Tempels griechischen Typs für die griechische
Göttin Aphrodite (um 550 v. Chr.), sondern auch in der Lebensweise
der Bewohner. Die bewährte Incisa- und Dipinta-Keramik ergänzten
sie ihr Tafelgeschirr mit Importkeramik aus Ionien, Korinth und Athen.
Neben den lokalen Produkten kamen auch importierte auf den Tisch, was
zuerst nur wenige Fragmente von attischen SOS-Amphoren belegen. Um 500
v. Chr. kamen hinzu die sog. inoio-massaliotischen, lakonischen und
wahrscheinlich im Süditalischen Raum produzierte Varianten von
korinthischen B Amphoren.
Zur Blütezeit der griechischen Stadt Iaitas, von der 2. Hälfte
des 4. Jhs. bis zum frühen 2. Jh. v. Chr., lassen sich neben den
dominierenden Importen aus Süditalien und Sizilien weiterhin Kontakte
mit Griechenland feststellen. Rhodos scheint ein wichtiger Weinlieferant
zu sein, aber auch Produkte aus Chios fanden den Weg in die Stadt. In
dieser Zeit dominieren unter den Amphoren Formen der sog. greko-italischen
Gruppe (MGS IV-VI nach der Typologie von Vandermersch).
Da die Stadt im punischen Einflussbereich liegt, erstaunt eine zahlenmässig
hohe Vertretung der punischen Produktionen (vor allem Maña B
und -C Formen) aus Nordafrika und Westsizilien, vom 4. bis zum 2. Jh.
v. Chr. nicht weiter.
Unter der römischen Herrschaft hat eine Verschiebung der Handelskontakte
der Ietiner stattgefunden. Der sizilische Markt bleibt nach wie vor
der Hauptlieferant, die von ausserhalb Sizilien importierte Amphoren
kommen vor allem von der Westküste Italiens (Campagna, Latium)
und aus dem Westen: Spanien und vereinzelt Gallien. Unter den Formen
dominieren Dr. 1, Dr. 2-4, Dr. 7-11 und Dr. 21-22 -Formen, die letztgenannte
mit einer erstaunlicher Häufung und wahrscheinlich aus einer sizilischen
Werkstatt. Alle diese Amphorentypen finden sich in den Zerstörungsschichten
aus tyberisch-claudischer Zeit. Es muss sich dabei um eine grössere
Katastrophe gehandelt haben, nach welcher ein Grossteil der Bevölkerung
die Stadt verlassen hat. Erst im 5. Jh. n. Chr. lässt sich eine
Intensivierung des Lebens auf dem Mont Iato feststellen. Ein geschlossener
Fundkomplex aus dieser Zeit enthält zwei Spatheia nordafrikanischer
Produktion.
Die grosse Anzahl von Mittelalteramphoren, die meisten wahrscheinlich
aus dem 10. - 13. Jh. n. Chr. bezeugt eine letzte Prosperitätsphase
der Siedlung vor der endgültigen Zerstörung 1246 n. Chr.
Interessante Aspekte zeigt das epigraphische Material der Amphorenstempel.
Zahlenmässig am stärksten vertreten sind die Stempel der sog.
greko-italischen Amphoren mit seltenen Belegen für Staios Tragon
oder Euonymos. Die rhodischen Stempel bezeugen Importe zwischen ca.
250 und 120 v. Chr. Daneben fand den Weg bis Iaitas ein seltener chiotischer
Men-Stempel. Belegt sind M. Tuccius Galeonis wie auch ein C. Maximus
auf einer Dr. 21-22 Amphora.
Das Amphorenmaterial von Iaitas bestätigt einerseits die, in groben
Zügen anhand der Lampen gewonnene Entwicklung der Stadt (die schriftlichen
Quellen zur Stadgeschichte sind spärlich) und bereichert die Kenntnisse
über ihre Handelskontakte, auch wenn diese sicher nicht auf dem
direkten Weg mit den Herstellern stattgefunden haben.